Merlin

Vom ausgebrannten Schulpony zum Wegbegleiter für alle die es nötig haben.

„Das Leben ist nicht immer ein Ponyhof – es gibt physische und auch psychische Probleme bei Pferden und es liegt in unserer Verantwortung, diese zu erkennen und etwas dagegen zu unternehmen.“

Birgit & Merlin

Unsere Geschichte

Merlin – meine schwarze Perle, den ich liebevoll auch Zauberpony nenne. Er ist etwas ganz Besonderes, fast alle Kinder und auch die meisten Erwachsenen wählen ihn, wenn sie sich selbst das Pferd für die Reitstunde aussuchen dürfen. Leider musste ich erst sehr spät für mich erkennen, dass er für den täglichen reitpädagogischen Unterricht nicht (mehr) geeignet ist und habe sein Verhalten sehr oft fehlinterpretiert.

Birgit lächelt eng an ihr schwarzes Pony Merlin gelehnt, im Hintergrund Bäume und der Stall des Erlebnishofs

Als ich den Huzulenbub von einer älteren Frau übernahm, wurde mir mitgeteilt, dass er öfters stehen bleibt, am Platz vorspielt zu pinkeln, und dass er einfach faul ist und ich ihn nur fleißig weitertreiben soll, dann klappt’s schon. Gesagt, getan – so rücksichtsvoll wie Merlin nun mal ist, hat er es uns immer und immer wieder recht gemacht. Nur selten wurde gehört, was er eigentlich wollte, und so ging der Glanz in seinen Augen nach und nach verloren, und er sah einfach nur traurig und müde aus.

Ich fühlte mich dabei immer schlechter und vermutete, dass sein Verhalten auf ein körperliches Gebrechen hinweisen würde. Alles, was mir in den Sinn kam, habe ich gecheckt – Blutbild, Ultraschall der Blase, Sattelspezialisten, Chiropraktiker, Tierenergetiker und vieles mehr – nach ein paar unspektakulären Befunden und Anpassungen war jedoch keinerlei Besserung in Sicht, an seinem Verhalten hat sich nichts geändert.

Durch Jasmins Training hatte er Zeit konditioniertes Verhalten abzulegen, das haben wir beide noch nie zuvor erlebt. Oft war ich den Tränen nahe, denn kein Pferd sollte so ein Leben führen. Diese komplett andere Herangehensweise holte Merlin wieder aus seiner inneren Welt raus. Er zeigt jetzt wieder Anteilnahme und Interesse an seinem Umfeld und hat mittlerweile wieder Lebensfreude.

Das Leben ist nicht immer ein Ponyhof – es gibt physische und auch psychische Probleme bei Pferden und es liegt in unserer Verantwortung, diese zu erkennen und etwas dagegen zu unternehmen. So habe ich definitiv nicht reiten gelernt, mir wurde auch nicht vermittelt, dass das Pferd ein Wesen ist, das respektvoll behandelt wird und das ein Mitspracherecht hat. Viele Betriebe laufen heute noch am Limit und jedes Pferd muss funktionieren, jederzeit und um jeden Preis. Ich bin froh über diese wertvolle Erkenntnis nach über 10 Jahren Selbständigkeit – und dass ich für mich entscheiden kann, es anders zu machen. An erster Stelle stehen heute auf meinem Betrieb die Würde und Gesundheit der Pferde, sowie ihre Bereitschaft mit dem Menschen zu arbeiten – und das vor allem durch ein Pferd namens Merlin.

Spannend ist – seit ich Merlin wirklich sehe, seinen wahren Charakter, mit allem, was er erlebt hat und seiner filigranen Art und ihn angenommen habe so wie er ist – hat sich auch seine Einstellung zum Reitunterricht geändert. Er hat öfters Lust, vor allem mit einer Gruppe einen Ausritt zu machen oder einen Menschen, dem es wirklich nicht gut geht, in einer bestimmten Lebensphase ein Stück weit zu tragen und dessen Lasten abfließen zu lassen. Er steht dann an der Stalltür, lugt mit einem aufmerksamen Blick heraus und drängt sich förmlich auf. Unvorstellbar mit welcher Kraft und Selbstverständlichkeit er die Menschen trägt, die es am meisten brauchen, oft glaube ich, er hat sich in ein anderes Pferd verwandelt.

Merlins Kopf im Profil vor einem blühenden Baum, im Hintergrund geht die Sonne über den Hügeln des Mostviertels unter

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